Challenge Almere 2017

Challenge Almere 2017

11. September 2017 0 Von Benni

Und es hat doch noch geklappt. Nach dem langen Marsch von Kopenhagen ging es Samstag in Almere in die Verlängerung. Diesmal etwas ehrfürchtiger und mit der noch sehr lebhaften Erinnerung, dass eine Langdistanz absolut kein Ponyhof ist. Gedanken wie „Sub 9 wird das aber definitiv, so viel kann ja gar nicht schief gehen“ wurden komplett aus dem Kopf verbannt. Einfach ein gutes Rennen machen und hinterher sagen können „Das war geil. Mehr ging nicht.“. Geil war es, und mehr ging definitiv nicht. Ziel erreicht!
Hier eine Zusammenfassung der Ereignisse.


Montag 21.08.

Am Morgen nach Kopenhagen sitze ich mit Ilka beim Frühstück.
B: „Sag mal, was meinst Du? Ich glaube ich versuche das in Almere noch einmal.“
I: „Ja cool, mach das doch.“
B: „Auch wenn ich Dir versprochen habe Dich bei den Tri Islands zu unterstützen?“
I: „Das schaffe ich schon irgendwie.“
Die Entscheidung steht. Ich nehme noch einen Anlauf.

Dienstag 05.09.

Die Challenge Alemere ist ausgebucht und ich stehe nach wie vor auf der Warteliste. Dann endlich die gute Nachricht: Ich rücke nach und bekomme doch noch einen Startplatz.

Freitag 08.09.

Ilka startet bei den Tri Islands, daher geht es für mich alleine Richtung Almere. Dort angekommen fühle ich mich sofort wie zu Hause. Zum einen mag ich die Location sehr, zum anderen habe ich eine Menge positive Erinnerungen an das letzte Jahr. Das Wetter ist bescheiden, dafür geht das Einchecken schnell und unkompliziert. Ab ins Hotel und entspannen. Ich schlafe so gut, wie vor keiner Langdistanz bisher. Ich bin bereit.

Samstag 09.09.

Wie vorhergesagt: Regen und kalt. Beim Vorbereiten der Beutel treffe ich Andre Stübs, der sich ebenfalls in der Verlängerung befindet. Beim ihm hat dies zwar etwas andere Gründe, aber wir bilden trotzdem eine gute Zweckgemeinschaft. Wir begeben und gemeinsam zum Start und wundern uns über den Mix der Badekappen. Das EM Feld mit blauen Kappen soll um 7:30 Uhr starten, wir im offenen Feld mit gelben Kappen um 7:35 Uhr. Um 7:28 Uhr stehen wir an Land und sehen einen bunten Mix aus Gelb und Blau an der Startlinie. Um uns herum noch viele verwirrte EM Starter. „Is this the long distance start?“. Als wir gerade ins Wasser gehen, fällt ein Schuss und alle blauen und gelben Kappen setzen sich in Bewegung. „Was machen wir jetzt, schwimmen wir los?“ fragt André. „Alle schwimmen los. Ich glaube wir müssen.“ Also kämpfe ich mich die ersten 200 m von hinten durch das Feld. Überall Hände und Füße, aber irgendwie komme ich vorbei. Dabei leicht panisch mit dem „Benjamin Winkler – DSQ“ in der Ergebnisliste vor Augen. Die zahlreichen gelben Kappen um mich herum beruhigen mich. 3,8 km nur zu überholen ist durchaus motivierend und lassen das Schwimmen sehr kurzweilig erscheinen. Kurz vor Ausstieg bin ich in der Spitzengruppe angekommen. In WZ 1 treffe ich André. Er hat den Slalomparcours auch geschafft. Auf dem Rad ist es Anfangs sehr kalt und nass. Ich bekomme das Gefühl, dass ich vielleicht doch etwas mehr hätte anziehen sollen. Glücklicherweise wird es bald wärmer und der Regen hört auch irgendwann auf. Auf der 30 km Gerade am Deich herrscht starker Rückenwind. Mit knapp 50 km/h fliegen die Kilometer dahin. Ich weiß, ich muss das alles mit Gegenwind wieder zurück fahren. Trotzdem macht es Spaß. Nach der ersten von zwei Runden habe ich knapp über 2:15 h stehen. Ich kann also ganz ruhig bleiben, wenn die zweite Runde etwas schwerer wird. Gedanken wie „Puh, jetzt werden die Beine langsam schwerer.“ gelingt es mir mit einem sofortigen „Ja was dachtest Du denn wohl? Dass das eine Spazierfahrt wird?“ zu beantworten. Am Ende komme ich gut durch und kann mein Rad nach 4:34 h wieder abstellen. Jetzt nur noch das Laufen über die Bühne bringen.
Die Laufstrecke besteht aus 6 Runden à 7 km. Die ersten zwei Runden laufe ich sehr kontrolliert. Je länger ich laufe, desto größer wird die Zuversicht. Nach Halbmarathon wird das Tempo zwar langsamer, aber ich kann weiter ohne größere Probleme laufen. In Runde fünf melden sich die Oberschenkel immer stärker, aber immernoch alles im grünen Bereich. Ich treffe André, der auch schon stark am kämpfen ist. Die letzte Runde kann ich wirklich nur noch joggen. Ich weiß aber, dass es für Sub 9 reichen wird. Ich versuche einfach nur durchzuhalten und erreiche den Zielkanal. Wow, es hat doch noch geklappt. Über dem Zielbogen steht neben meinem Namen eine 8:43. Zunächst fühle ich mich ein wenig wie ein Betrüger, schließlich bin ich ja zu früh gestartet. Andrés Frau Rebekka berichtet aber glücklicherweise kurz später, dass es wirklich nur einen Start für alle gab. Ich stelle mich also auf die Korrektur meiner Zeit ein. André kommt nach 9:30 h ins Ziel, auch er hat seine Verlängerung erfolgreich absolviert. Ich genieße das sensationelle Buffet im Athletenbereich, freue mich über die Zahnbürste im After Race Beutel und plane eigentlich nach dem Auschecken ins Hotel zu fahren. Gegen 19 Uhr gehe ich noch einmal an der Bühne am Zielkanal entlang. Ganz gut Stimmung hier. Ich bleibe stehen. Klatsche mit. Fange sogar im Rahmen meiner Möglichkeiten an zu tanzen. Wie gebannt beobachte ich jeden einzelnen Teilnehmer, der überglücklich ins Ziel läuft. Plötzlich ist es kurz vor 23 Uhr und der letzte Finisher wird mit einer riesen Party empfangen. Ein toller Abschluss eines genialen Tages.

Sonntag 10.09.

Die Ergebnislisten sind veröffentlicht. Erleichtert stelle ich fest: Ich bin nicht disqualifiziert, die Zeiten wurden korrigiert. Meine Korrigierte Zeit: 8:49:08 h.

Fazit

Schon vor Almere konnte ich mit der Saison eigentlich absolut zufrieden sein. Vieles hat gepasst und einige super Ergebnisse sind zusammen gekommen. Trotzdem wollte ich mich nicht damit abfinden, dass Kopenhagen der Abschluss sein sollte. Auch das Gefühl, dass ich bei einigen Anläufen bisher nur eine Langdistanz wirklich gut beendet habe, ließ mir irgendwie keine Ruhe. Heute, am Montag, habe ich immer noch Probleme vom Stuhl aufzustehen, von Treppen will ich gar nicht reden. Ich weiß also: Ich habe alles rausgeholt, was drin war. Die Belohnung ist eine persönliche Bestzeit. So kann die Saison zu Ende gehen.

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