Ironman Südafrika 2018

Ironman Südafrika 2018

26. April 2018 2 Von Benni

Ein Ironman im April? Ohne Trainingslager? Mit Schnee bis eine Woche vor Abflug? Vergiss es! – Das hätte ich bis vor einiger Zeit gesagt. Aber die Zeiten ändern sich. Nach mehreren Langdistanzen in den letzten Jahren erscheint das Vorhaben beherrschbarer und dank Zwift fahre ich mittlerweile im Winter fast genauso viel Rad wie im Sommer. Also warum nicht einfach mal probieren? Wie es mir dabei ergangen ist? Hier das Protokoll.

Vorbereitung

Bis Januar läuft es ziemlich gut. Danach wird es ruckeliger. Erkältung, dann einige nicht so gute Wochen und plötzlich fängt die Achillessehne an Probleme zu machen. Ausgerechnet die Achillessehne. Ich lese von Genesungszeiten von min. 12 Wochen und es fällt schwer die Ruhe zu bewahren. Irgendwann legt sich alles und ich komme doch noch einigermaßen in Form. Last Minute, aber vielleicht ist es ja gar nicht schlecht nicht schon Wochen vor dem Rennen Heldentaten zu vollbringen.

Sonntag 08.04.

Bei der Reisebuchung lege ich den Abflug bewusst auf Sonntagabend. So habe ich das Wochenende Zeit zum Packen. Im Packen bin ich so schlecht, dass ich es regelmäßig schaffe selbst Ilka, die eigentlich sehr geduldig ist, komplett in den Wahnsinn zu treiben. So kommt es wie es kommen muss. Zwei Stunden vor Abfahrt zum Flughafen versuche ich mein Rad in die Radtasche (vielen Dank für die Leihgabe Tim Janke) zu verpacken. Beim Lösen des Lenkers dreht sich eine Schraube komplett rund. Nix geht mehr. Eine Stunde später bin ich komplett am Ende, schweißgebadet und habe meinen Koffer auch noch nicht fertig. Dann platzt Ilka der Kragen. „So, ich hole jetzt Felix rüber, der ist wenigstens etwas ruhiger.“ Nach kurzem Check der Lage rückt Felix Breske mit Drehmel an, fräst einen Schlitz in die Schraube und löst sie mit dem Schraubendreher. Meine Reise ist gerettet. Felix ist mein Held. Ich schmeiße alle Sachen zusammen und schaffe es, als das Taxi auf die Auffahrt fährt, gerade noch mein T-Shirt zu wechseln. Ich bin froh, dass ich im Flieger nicht neben mir sitzen muss.

Dienstag 10.04.

Nach einer langen Anreise und einem gründlichen Ausschlafen sind wir in Port Elizabeth angekommen. Dirk Lonnemann ist mit seiner Familie bereits angekommen und wohnt in der gleichen Unterkunft. In den übrigen vier Appartements der Lalapanzi Guest Lodge sind ausschließlich Ironman Starter/innen aus aller Welt (Schweden, Finnland, Japan) untergebracht. Unser Gastgeber William trägt mit seiner unglaublich gastfreundlichen Art zusätzlich dazu bei, dass in der Unterkunft ein einmaliges Flair entsteht. Zu meiner Überraschung habe ich bei meinem hektischen Aufbruch lediglich meine Pedale zu Hause liegen lassen. Natürlich fährt William direkt mit mir zum Radladen. So habe ich mein Rad rechtzeitig für eine Proberunde fahrtüchtig.
Der Rest der Woche vergeht dann wie im Flug. Ich gucke mir die Strecken an, wir haben Spaß in unserer Ironman Reisegruppe und bei einem Tagesausflug in den Addo Park bewundern wir Elefanten, Zebras und sogar ein Nashorn.

Freitag 13.04.

Es wird ernst. Wettkampfbesprechung und Pasta Party. War ich in der Vorbereitung noch häufig angespannt, bin ich jetzt gelassen und zuversichtlich. Jedenfalls rede ich mir das ein. Und Ilka tut ihr Bestes mir das zu bestätigen. Auf jeden Fall freue ich mich auf das Rennen. Die Stimmung in der Stadt ist toll und ich genieße den Spirit.

Samstag 14.04.

Der übliche Vorwettkampftag. Alle Beutel klar machen und das Rad einchecken. Mich darüber wundern, warum sich in der Wechselzone eine Traube um die Profi Räder bildet, obwohl die Räder nebenan bei den Agegroupern im Schnitt doppelt so teuer sind. Dann einfach entspannen und mich mental auf den Wettkampf vorbereiten. Um 9 Uhr ins Bett gehen in der Erwartung trotzdem nicht einschlafen zu können. Nach gefühlt zwei Minuten bin ich weg. Ich scheine bereit zu sein.

Sonntag 15.04.

Wir haben nur ca. 2 km zum Wettkampfgelände, also klingelt der Wecker erst um 4 Uhr. William steht heute ausnahmsweise noch nicht in der Küche und bereitet uns Rührei zu. Unsere Gruppe versammelt sich im Frühstücksraum und nutzt den Self Service. Anschließend marschieren wir zum Start. Ich treffe die letzten Vorbereitungen. Alles wie gewohnt. Bis ich meinen Radcomputer anbringe und feststelle, dass der Wattmesser kein Signal sendet. Ich frage mich warum so etwas immer zum falschesten Zeitpunkt überhaupt passiert. Den Akku hatte ich schließlich extra noch einmal durchgeladen – wie ich im Nachhinein feststellen musste dabei aber versehentlich den Sleepmodus aktiviert. Ilka ist wie immer die moralische Stütze und weist mich auf meine Erfahrung hin. Wird auch ohne gehen. Meine Laune ist trotzdem mäßig. Sie wird nicht unbedingt besser, als ich feststelle, dass es für die ersten Reihen im Rolling Start ein ziemliches Gedrängel gibt. Ich schaffe es irgendwie noch mich in Reihe 3 vorzumogeln, reiße mir dafür den Neo am Absperrgitter ein. Ich mache mir bewusst, dass mit dem Startschuss eine andere Zeit beginnt. Alles wird gut.
Start. Gab es in den Vortagen tw. enormen Wellengang, ist es heute zum Glück ruhig und man kommt im Wasser voran. Ich finde meinen Rhythmus. Um richtig in der Gruppe zu schwimmen ist es doch zu kabbelig, aber gelegentlich finde ich Gesellschaft. Durch die kurzen Wellen rutscht meine Badekappe immer wieder nach oben. Das sieht beim Rauslaufen dämlich aus, vor allem gibt es in Südafrika aber eine sofortige Disqualifikation für Littering. Ich übe mich daher im „Badekappe während des Schwimmens richten“. Am Ende bestätigt sich mein gutes Gefühl im Wasser und ich komme nach gut 52 Minuten in die Wechselzone. Der Wechsel läuft rund, die Laune ist wieder bestens, weiter geht’s. Seit meinem Ernährungsdesaster in Kopenhagen esse ich auf den ersten Kilometern auf dem Rad erst einmal in Ruhe einen Riegel. Danach versuche ich ohne Wattmesser das richtige Tempo zu finden. Der Asphalt der Radstrecke ist rau und buckelig, so dass es nicht sonderlich komfortabel ist. Dafür gibt es traumhafte Aussichten auf der Küstenstraße. Nach einiger Zeit fährt ein weiterer Agegrouper zu mir auf und wie sich am ersten Wendepunkt zeigt, liegen wir im Feld der Non-Pros ganz vorne. Also einfach erstmal so weitermachen. Nach der ersten von zwei Runden fühle ich mich weiter gut. Dann frischt der Wind auf. Erst einmal gibt es Rückenwind, dafür müssen wir auf den letzten 45 km gegen den Wind zurück. Ich bekomme jetzt zu spüren, dass ich in der Vorbereitung kaum in der echten Welt Radfahren konnte. Aber weit ist es nicht mehr. Die letzten 10 km werden mit vollem Gegenwind zäh wie Gummi. Jede Bodenwelle tut weh. Teilweise habe ich das Gefühl fast stehenzubleiben. Endlich in T2 angekommen zeigt der Radcomputer trotz des eigentlich relativ einfachen Kurses 4:49 h an. Im Vergleich zu meinen letzten Langdistanzen deutlich langsamer, aber es muss ja nicht immer nach Zeit gehen. Ich weiß, dass es für Sub 9 eng wird, trotzdem beunruhigt mich das nicht. Ich versuche gut in das Laufen zu kommen. Mein norwegischer Mitstreiter verabschiedet sich schnell nach vorne. Als ich meine erste Runde starte, gehen die schnellsten Profi Männer gerade in Runde 2. Nach ein paar Kilometern kommt Josh Amberger an mir vorbei und ich versuche einfach kurz ein bisschen Windschatten zu laufen. Irgendwie fühlt sich das Tempo aber gut an. Also bleibe ich dran. Auf der Laufstrecke gibt es im Wechsel Gegen- und Rückenwind. Der Gegenwind kühlt angenehm, bei Rückenwind wird es ziemlich heiß. Ich greife an jeder Verpflegungsstation Schwämme und versuche mich abzukühlen. Ich schaffe es tatsächlich knapp drei von vier Runden mitzulaufen. Danach stelle ich mich auf eine harte Schlussrunde ein. Einfach versuchen so wenig wie möglich zu sterben. Cola, Red Bull, immer her damit. Trotz schwindender Konzentrationsfähigkeit berechne ich, dass ich doch relativ deutlich auf Sub 9 Kurs liege. Dazu sehe ich an den Wendepunkten, dass von hinten keine Gefahr mehr droht. Dadurch motiviert überstehe ich auch die letzten Kilometer mit Rückenwind und erreiche nach 8:51 h mit einem 3:04 h Marathon den Zielkanal. Bloß nicht wieder so ein dämliches Zielfoto, auf dem ich gerade meine Uhr anhalte. Also geht es mit einem Sprung über die Linie. Ich bin super happy und euphorisiert. Hinter dem Ziel treffe ich Ilka und stelle sehr schnell fest, wie sehr ich am Ende bin. Ich möchte mich im Schatten hinlegen, bekomme aber sofort Krämpfe in beiden Beinen. Ilka erweist sich wieder einmal als beste Supporterin der Welt und zieht mir geduldig Schuhe und Socken aus, umsorgt mich, schleicht anschließend mit mir durch die Gegend und kauft mir sogar ein Schokoeis. Wir feuern den Rest unsere Reisegruppe auf der Laufstrecke an und mein Zustand wird etwas besser. Die ersten Ergebnisse werden recherchiert. Ich bin Gesamt auf Platz 15 gelandet und zweitschnellster Agegrouper. Nicht weit hinter mir landet mit Rasmus Svenningsson aus Schweden ein weiteres Mitglied unserer Lalapanzi Squad und gewinnt seine Altersklasse. Wir sind damit vermutlich eine der erfolgreichsten Reisegruppen des Tages. Dirk kämpft sich nach 10:40 h ebenfalls erfolgreich durch. Wir wackeln zurück in die Unterkunft, ich merke wieder, dass ich komplett am Ende bin, kann mit so viel Cola, Red Bull und Koffein Gel im Blut aber natürlich trotzdem nicht schlafen. Also lege ich mich ins Bett, leide vor mich hin und bin trotzdem happy. Was für ein geiler Tag.

Montag 16.04.

Die Gruppe sammelt sich im Frühstücksraum, William verwöhnt wieder alle mit seinem Service und es werden intensiv die Erlebnisse des Vortags diskutiert. Peter musste das Rennen leider mit gerissenem Reifen aufgeben, Anders hat sich trotz Sturz kurz vor Ende der Radstrecke durchgebissen, Markus hat beim Laufen gelitten und ebenfalls kaum geschlafen, Akiko war morgens schon wieder im Ozean Schwimmen und Rasmus freut sich auf Hawaii. Anschließend geht es gemeinsam zur Slotvergabe. Für Dirk wird es eng. Er ist 6. In der AK 55, es gibt 4 Slots. In den anderen Klassen gibt es viele Verzichte, aber leider nehmen vor ihm alle 4 ihren Slot an. Nächstes Mal klappt es wieder Dirk. Mich hat das Hawaii Fiber nach wie vor nicht gepackt, so gebe ich meinen Slot weiter. Am Ende feiern wir Rasmus noch einmal ordentlich ab, als er seinen Slot bekommt.
Im Anschluss geht es mit Ilka weiter auf den entspannten Teil des Urlaubs: Mit dem Mietwagen (ein nagelneuer Jaguar) über die Gartenroute nach Kapstadt. Eine sehr beeindruckende und tolle Reise.

Fazit

Was ich von diesem Rennen mitnehmen kann:
Ein Ironman im April ist machbar.
Nicht nervös werden, wenn man erst kurz vor einem Rennen in Schuss kommt.
Ich weiß jetzt, wie ich den Sleepmode des power2max aktiviere und deaktiviere.
Ein Ironman als Reise ist ein tolles Erlebnis.

Bilder