Ironman Hamburg 2018

Ironman Hamburg 2018

31. Juli 2018 0 Von Benni

Eigentlich war mein Plan für 2018 eine frühe Langdistanz zu machen, um im Sommer auch einmal andere Dinge zu tun als am Wochenende stundenlang auf dem Rad zu sitzen und klebriges süßes Zeug zu essen. Aber irgendwie ist genau das ja auch geil, und so stand noch in der Euphoriephase nach Südafrika fest: Ich gehe beim IM Hamburg an den Start. Dieser ist nun seit Sonntag Geschichte. Was ist dazwischen passiert? Hier die Zusammenfassung.

Vorbereitung

In meinen letzten Langdistanzvorbereitungen habe ich immer versucht ein paar Dinge anders und möglichst besser zu machen. Daher frage ich mich nach Südafrika, was ich noch optimieren kann. Nachdem ich mein Training über Jahre selbst gesteuert habe, aber in anderen Bereichen durchaus positive Erfahrungen damit gemacht habe auch einmal auf andere zu hören, entscheide ich mich dazu meine Trainingssteuerung in professionelle Hände zu geben. So trainiere ich ab Mai unter der Leitung von Golo Röhrken. Wir starten mit einer Leistungsdiagnostik und ich staune, wie viel Form man mit ein paar Wochen Faulenzen nach der Langdistanz verlieren kann. In den ersten Wochen arbeiten wir gezielt an meinen Schwächen. Ungewohnte Inhalte fordern nicht nur meinen Körper, sondern auch den Kopf, der sich von gewohnten Mustern verabschieden muss. Schnell geht es mit der Form wieder aufwärts. Je näher das Highlight rückt, desto besser werden die Trainingsergebnisse. Es fügt sich alles zusammen. Good Job Golo!

Freitag

Die Tage vor Hamburg bin ich zunächst sehr euphorisch. Das Wasser wird wärmer und wärmer, wir schwimmen ziemlich sicher ohne Neo. Dann die traurige Nachricht: Blaualgen in der Alster, Schwimmen gestrichen. Was tun? Mehr als einmal denke ich ernsthaft darüber nach, ob ich überhaupt starten möchte. Mäßig gelaunt stelle ich mich Freitag im 50 Grad heißen Zelt in die Schlange, um meine Startunterlagen abzuholen und begebe mich anschließend verschwitzt, nicht mehr ganz wohlriechend und deutlich zu spät zur überfüllten Wettkampfbesprechung. Die Pasta Party schenke ich mir, eigentlich möchte ich nur nach Hause und in Ruhe schmollen. Auf dem Rückweg kommt mir die grandiose Idee den eher übersichtlichen Kreis meiner Instagram Follower mit einem Bild mit einer Flasche Alsterwasser zu belustigen. Bei Edeka muss ich aber feststellen, dass man offensichtlich selbst in Norddeutschland kein Alster sondern nur noch Radler kaufen kann. Mit meiner Social Media Karriere wird das wohl nichts mehr.

Samstag

Samstag schafft es mein Kopf endlich in den „Das Beste daraus machen“ Modus zu wechseln. Die Stimmung wird wieder besser. Trotzdem fühlt es sich irgendwie anders an, als vor einem „richtigen“ Ironman. Obwohl durch den 6 km Auftaktlauf und die lange Wechselzone in Summe 50 Laufkilometer auf dem Programm stehen, fällt es mir schwer den Wettkampf richtig ernst zu nehmen. Beim Vorbereiten des Fahrrades und der Beutel komme ich aber ganz allmählich in Stimmung. Das Einchecken verläuft unspektakulär. Der power2max befindet sich diesmal nicht im Sleepmode und alle Akkus sind durchgeladen. Im Hotel erhalte ich ein kostenloses Upgrade auf ein größeres Zimmer. Es fängt wieder an zu laufen. Den Abend verbringe ich damit Klettverschlüsse auf den Rücken meines Wettkampfanzuges zu nähen. Damit kann ich die Startnummer fixieren und spare auf dem Rad mindestens 10 Watt. Oder 10 Minuten. Auf jeden Fall eine Menge.

Sonntag

Durch den Schwimmausfall ist der Start etwas nach hinten verlegt. Also ausschlafen. Zumindest bis kurz vor 5. Auch die Vorbereitungszeit vor dem Start ist kürzer, wenn nur zwei Disziplinen anstehen. Also setze ich mich noch etwas in die aufgehende Sonne und bereite mich mental vor. Dann das hektische Rolling Start Prozedere. Über die Lautsprecher wird regelmäßig dazu aufgerufen sich realistisch einzusortieren. Leider bin ich mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort und stehe ca. an Startposition 500. Ich sehe mich schon auf dem Rad durch eine volle Strecke mit großen Gruppen kämpfen. Also bleibt mir nichts anderes übrig als über die Gitter zu klettern und mich so weit wie möglich vorne hineinzudrängeln. Gute 2 Minuten und 100 StarterInnen – die ihrem Tempo nach größtenteils eigentlich 500 Plätze weiter hinten hätten starten müssen – muss ich trotzdem abwarten, bis ich los darf. Ich finde es immer wieder unverständlich, wieso TeilnehmerInnen so handeln. Ich spule die ersten 6 km im 3:38er Tempo ab und mache meinem Ärger etwas Luft. Dafür habe ich anschließend auf dem Rad schon nach wenigen Kilometern absolute Ruhe. Also Kopf runter und flach am Deich entlang ballern. Das macht Laune. Nach 45 km steht der Schnitt bei über 41 km/h. Auf dem Rückweg weht der Wind – das bisschen was zu dem Zeitpunkt weht – sogar leicht von hinten. Nach der ersten Runde geht es wieder an der Wechselzone entlang. Die Zuschauer werden immer mehr und so langsam kommt richtig Stimmung auf. Auf der zweiten Runde wird der Wind minimal mehr, es sind aber immernoch beste Bedingungen. Auf dem Rückweg will der Deich irgendwie nicht mehr enden, die Beine werden langsam schwerer. Aber noch alles unter Kontrolle. Irgendwann sind auch die letzten Kilometer geschafft und ich erreiche wieder die Alster. Am Ende stehen 4:22 h auf dem Tacho. Der Kurs hatte nur 178 km, trotzdem eine rasante Fahrt. Ab durch die laaaange Wechselzone und rein in die Laufschuhe. Der Marathon startet sehr vielversprechend. Ich komme gut in einen Rythmus und das Tempo passt. An den Verpflegungsstationen greife ich Schwämme, die mit kaltem Wasser getränkt sind. Ein großer Teil der Strecke liegt im Schatten, so dass es trotz der mittlerweile hohen Temperaturen gut erträglich ist. Die Stimmung an der Strecke ist gigantisch. Überall stehen bekannte Gesichter am Rand und pushen mich nach vorne. Nach 15 km befinde ich mich schlagartig im Panikmodus. Der Magen fühlt sich irgendwie komisch an. Bitte nicht wieder so ein langer Spaziergang. Ein paar Kilometer und zwei Dixi Stopps später stelle ich fest: Fehlalarm, alles Einbildung. Also fange ich mich wieder und konzentriere mich auf die zweite Hälfte des Marathons. Ich lasse mich weiter von der geilen Stimmung an der Strecke nach vorne treiben. Nach 39 km laufe ich zur führenden Frau Sarah Crowley auf. Der hellste im Kopf bin ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Trotzdem wird mir schnell bewusst: Um 50 m vor Ihr ins Ziel zu laufen, habe ich schon zu häufig über Männer gelästert, die Frauen im Zielkanal absprinten. Also bleibt mir Option A: Vorbei und Vorsprung rauslaufen, oder Option B: Einfach hinter ihr bleiben. Ein Versuch Option A umzusetzen scheitert schon nach ein paar hundert Metern. Tempo machen geht nicht mehr. Ich komme nicht weg. Also hinten einreihen und die letzten Kilometer überleben. 500 m vor dem Ziel beobachte ich wie Sarah ihre Mütze abnimmt und ihre Haare für das Finish zurecht macht. Ich überlege kurz, ob ich das auch machen sollte, behalte die Mütze aber auf. Im Zielkanal ist natürlich ganz große Party angesagt. Leider nicht für mich, aber was soll’s. Im Nebel tauchen plötzlich überall Kinder mit Ballons auf, die ich fast über den Haufen laufe. Ich schleiche mich durch das Ziel und tauche schnell zur Seite ab. Nicht gerade der emotionalste Zieleinlauf, dafür ein lustiges und irgendwie auch skurriles Erlebnis.

Am Ende steht ein 3:08er Marathon, eine Sub 8 h Gesamtzeit, Platz 5 unter den Agegroupern und der 17. Gesamtplatz zu Buche. Ich brauche eine Weile um das Auf und Ab der letzten Tage (emotional, nicht topographisch) zu sortieren und komme schließlich zum Entschluss, dass das in Summe schon alles ganz schön geil war. Beim Auschecken gucke ich mir noch einmal die ewig lange Reihe der 2500 Fahrräder der Agegrouper in der Wechselzone an. Platz 5. Und das im Duathlon…

Montag

Nachdem ich den Nachwettkampftag im heißen Büro überlebt habe, sitze ich abends am Rechner und schicke meine nächste Anmeldung raus. In 6 Wochen geht es mit der Challenge Almere weiter. Mit einer richtigen Langdistanz. Das muss noch einmal sein.

Vielen Dank an alle, die am Sonntag am Streckenrand so geile Stimmung gemacht haben. Auch wenn ich es während des Wettkampfes nicht unbedingt zeige, pusht mich das gewaltig und ich habe mich echt gefreut so häufig meinen Namen zu hören!

Bilder