Challenge Almere 2018

Challenge Almere 2018

24. September 2018 0 Von Benni

Zugegeben, mit dem Schreiben eines Berichtes war ich sonst schneller. Über die Langdistanz aber bisher nicht. 🙂 Gut zwei Wochen sind seit der Challenge Almere jetzt schon vergangen. Höchste Zeit ein paar Erinnerungen daran zu verewigen. TL;DR – Es war ziemlich geil.

Vorbereitung

Sechs Wochen Zeit habe ich zwischen dem Ironman Hamburg und der Challenge Almere. Die erste Woche gönne ich mir noch Ruhe, dann sind die Beine langsam wieder hergestellt. Um nicht direkt zu verzweifeln absolviere ich die ersten Läufe ohne Uhr, GPS, Pulsmesser oder sonstige Gadgets. Eigentlich auch nett. Das Gefühl kommt wieder und es geht in das strukturierte Training. Golo hat ein Programm bis Almere aufgestellt. Sieht alles machbar aus. Anfangs tue ich mich trotzdem schwer. Einige Einheiten muss ich abbrechen oder ausfallen lassen. Geduldig mahnt mich Golo zur Ruhe, die Form wird schon wieder kommen. Ich füge mich und widerstehe zu meiner gewohnten Taktik (den Holzhammer rausholen) überzugehen. Schließlich geht es tatsächlich wieder rasant bergauf. Ich trainiere relativ dicht an den Wettkampf ran und nehme erst in den letzten Tagen etwas raus. Damit fühle ich mich eigentlich immer ziemlich wohl, und bin gefühlt besser drauf als nach einem zu langen Tapern.

Freitag

Ich hole Ilka aus Lünen ab und bin Donnerstag Abend bereits das erste Stück bis in das beschauliche Werne gefahren. Die Nacht verbringe ich im Stockumer Hof in der Werner Straße. Google Maps hat mich selten so zum Lachen gebracht. Morgens geht es noch mit Einteiler, Aero Helm und Scheibe auf eine kurze Runde. Offensichtlich bin ich damit kein alltäglicher Anblick in Werne. Schnell Ilka einsammeln und auf geht es in die Niederlande. Wie im Vorwege recherchiert kommen wir – wie jedes Jahr – genau zum großen Finale der SLAM! Dance 1000 im Radio über die Grenze. Die Fahrt wird zur Party und vergeht wie im Flug. Zum späten Nachmittag kommen wir in Almere an. Sofort wird mir warm ums Herz. Ich bin einfach gerne hier. Das hängt vermutlich maßgeblich mit positiven Erinnerungen zusammen. Aber die Location ist einfach genial für einen Triathlon. Auf zu den Startunterlagen. Ich bekomme meinen liebsten Freund – das Teilnehmerband – um das Handgelenk. Versuch 1: Nee, viel zu weit, mach mal bitte schön stramm. Skeptische Blicke der Helferin. Versuch 2: Ja so ist gut. Schön stramm. Eine Stunde später stehe ich wieder bei Ihr und lasse das Band weiter machen. Meine Hand wird wieder durchblutet. Es kann weitergehen. Rad einchecken. Überall fetzige Musik. Kurz Ilka am Zaun was vortanzen und Beutel aufhängen. Alles fertig. Ab ins Hotel und die üblichen Vorbereitungen treffen. Bei der dritten Langdistanz der Saison läuft vieles sehr routiniert ab. Mich beschäftigt eigentlich nur die Frage ob es eher positiv oder negativ ist, dass ich gar nicht so richtig aufgeregt bin. Gehört das nicht zu einer Langdistanz dazu?

Samstag

Der Wecker klingelt und nachdem ich realisiere, was auf dem Tagesprogramm steht, fängt es doch langsam an zu kribbeln. Vorteil eines Wettkampfes im September: Es ist morgens länger dunkel und der Startschuss fällt etwas später. Nachteil: Es ist morgens ganz schön kalt. So geht es mit Mütze, Jacke und Langlaufhose in die Wechselzone. Ich checke alles durch und laufe ein paar Meter, um endlich auf Temperatur zu kommen. Damit ich ausnahmsweise mal nicht in meinen Bericht schreiben muss, dass der Start so doof war, reihe ich mich diesmal rechtzeitig ganz vorne ein. Direkt am See treffe ich noch meine Eltern. Sie sind am Vortag aus Kiel angereist und supporten mich heute. Was soll da noch schiefgehen? Der Start klappt dann tatsächlich sehr gut. Ich schwimme an Position 2 und fühle mich super. Es bläst schon ordentlich Wind, was selbst den relativ kleinen See unruhig macht. Trotzdem komme ich gut durch. Zum Ende merke ich, dass mir ein paar km in den Armen fehlen und ich muss den führenden ziehen lassen. Aber was macht das schon aus? Der Großteil kommt ja noch. Ein unspektakulärer Wechsel und ab auf das Rad. Ich nehme mir vor es konservativ anzugehen und komme ganz gemütlich in einen Rhythmus. Nach kurzer Einführung über ein paar Radwege geht es auf den langen Abschnitt am Deich. 25 km geradeaus. 0 Höhenmeter. Wind – wie jedes Jahr – stark von hinten. Geil. Den Rest der Runde überstehe ich auch gut und komme nach 2:14 h durch. Die Beine fühlen sich super an. Ich treffe kurz meine Eltern und starte Runde 2. Jetzt ruhig weiter Druck machen. Und in den paar technischen Passagen nicht immer so weit runter bremsen, sondern den Schwung mitnehmen. Das klappt bis zum ersten Kreisverkehr. Ich verschätze mich kolossal und rase auf den Kantstein zu. 1000 Bilder und Dinge gehen mir durch den Kopf. Rennen vorbei, Rad kaputt, usw. Leider nicht dabei ist „Was würde Peter Sagan machen?“. So ziehe ich das Vorderrad zwar hoch, knalle anschließend aber mit der Scheibe mit voller Wucht auf die Kante. Zu den 1000 Bildern gesellt sich der Anblick der Rechnung meiner 2 Monate alten Zipp Scheibe. Ich rolle über den Grünstreifen und höre meine Hinterbremse schleifen. Kein gutes Zeichen. Runter vom Rad. Scheibe ist wider Erwarten noch ein Kreis und kein Packman. Offensichtlich hat sich nur die Achse verschoben. Rad gerichtet und weiter geht’s. 10 m später ist natürlich die Luft aus dem Hintereifen. Okay, das habe ich vor zwei Jahren mal trainiert, da habe ich 3 Minuten gebraucht. Das schaffe ich. – Am Ende brauche ich doppelt so lange, der Kopf der CO2 Pumpe hätte nicht 1 mm breiter sein dürfen, sonst hätte er nicht in die Scheibe gepasst, und ich fahre mit offener Bremse wieder los, was ich aber zum Glück direkt merke. Wenig ruhmreich. Immerhin schaffe ich es danach ruhig zu bleiben und versuche nicht die verlorene Zeit auf den nächsten 10 km wieder rein zu holen. Nach ein paar Kilometern ist das Adrenalin wieder abgebaut. Offensichtlich hat mich trotz der Pause kein Age Grouper überholt. Ich scheine ein gutes Polster zu haben. Den Rest der Radstrecke überstehe ich gut. Ich fühle mich bis zum Ende stark und bin gespannt, was der Lauf für mich bereit hält. Bei der Einfahrt in die Wechselzone zeigt der Tacho 4:35 h an. Das Schwimmen habe ich nicht gestoppt, aber eine Bestzeit dürfte immer noch möglich sein. Der Lauf startet super. Ich habe das Gefühl das Tempo kann ich noch 100 km laufen. Das denke ich aber jedes Mal und werde kurz später eines besseren belehrt. Ilka versorgt mich in jeder der 6 Runden mit einem Gel und nach komplizierter Rechnerei auch mit meiner Gesamtzeit nach dem Radfahren. Auf der anderen Seite der Runde feuern mich meine Eltern an. Dazwischen jede Menge durchgeknallte Gruppen, die wilde Partys feiern. Ich versuche immer fokussiert zu bleiben, grinse aber das ein oder andere Mal in mich hinein. Dass ich bis zum Halbmarathon gut durchkomme kenne ich schon. Aber auch darüber hinaus kann ich ein gutes Tempo halten. Dann gehen wieder die Rechenspiele los. 5:36:irgendwas hat Ilka mir zugerufen. Ich bin auf Kurs 3 h, habe aber noch 14 km. Ich nehme die Beine in die Hand und versuche einfach das Tempo so hoch wie möglich zu halten. Als selbst nach 35 km die 1km-Splits noch deutlich unter 4:30 min liegen merke ich: Da geht was. Noch eine letzte Cola, Augen zu und durch. Die Musik wird lauter und ich kann das Ziel schon sehen. Der Rote Teppich fängt an. Dann ist es geschafft. Renndirektor Richard empfängt mich mit Medaille und zeigt auf die Anzeige über dem Ziel: Benjamin Winkler – 8:37:50 h. Hammer. Was war das bitte für ein geiler Lauf? Kurz Party machen, meine Supportcrew auf der Bühne drücken, dann geht es rein in den genialen Athletenbereich. Nachdem ich mich frisch gemacht habe ziehen wir uns ins Vapiano zurück und ich berichte vom Tag. Wir recherchieren Ergebnisse. Schnellster Age Grouper und Platz 9 gesamt. Auch die Plätze hinter mir sind noch prominent besetzt. Den Marathon bin ich tatsächlich in 3:01 gelaufen. Danach freue ich mich auf den Abend. Wie im letzen Jahr möchte ich wieder zur Finish Line Party. Gegen 20 Uhr stehen wir am Zielkanal und feiern bis kurz vor 23 Uhr mit. Eine mega Party.

Sonntag

Ich habe erstaunlich gut geschlafen. Unser Hotel liegt in einer sehr netten Gegend und ich kann ohne Probleme spazieren und dabei sogar Treppen rauf und runter gehen. Den Gedanken, ob ich mich eigentlich genug angestrengt habe, verdränge ich trotzdem schnell. Noch einmal fahren wir zum Wettkampfgelände und gucken uns das Team-Relay Rennen der niederländischen Eredivisie an. Die Siegerehrung ist im Anschluss wenig emotional, dafür wird sie zügig durchgezogen. So geht es mit einem breiten Grinsen zurück nach Kiel. Almere, ich komme wieder.

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